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Thursday, November 27. 2003
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Wednesday, November 26. 2003
 Ein widersprüchlicher Tag neigt sich dem Ende zu. Er begann mit einem filwissenschaftlichen Seminar zur "Ästhethik des Fernsehens". Das Seminar - angesichts des Streiks doch recht gut besucht - befasste sich in dieser Sitzung anlässlich eben jenes Streiks mit einem ca. drei Minuten langen Beitrag des RBB (=SFB+ORB-Anspruch) über die mittlerweile auch in den allgemeinen Studentenstreik eingefallenen FU-Studenten. Geschlagene anderthalb Stunden wurde an einem Dreiminüter heruminterpretiert, hineingedeutet und totanalysiert, was sich denn der entsprechende Redakteur bei dieser oder jener Einstellung oder Überblendung gedacht haben möge. Die Anmerkung, dass er sich im Zweifel eher weiger gedacht haben könnte, da nicht jeder Beitrag im hektischen Tagesgeschäft so genau bewertet und diskutiert werden kann, wurden gnadenlos abgeschmettert.
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Sunday, November 23. 2003
 Die Studenten der Freien Universität Berlin ahben sich in einer Vollversammlung am vergangenen Donnerstag entschieden, gegen die massiven Kürzungen im Bildungssektor zu streiken.
Soweit so gut. Aber wie streiken Studenten? Einfach mal nicht in die Uni gehen? Das wäre ja nun auch zu einfach und keiner würde das merken. Nein, man muss schon "den Protest in die Öffentlichkeit tragen", die Leute "wachrütteln". Man könnte ja "Autobahnen blockieren" oder auch Seminare im "öffentlichen Raum abhalten", in die S-Bahn verlegen oder - ganz clever - ins Foyer des Hotel Adlon. Einige meinten allerdings tatsächlich, man solle "besetzen". Wen oder was war nicht so klar. Aber das wie wurde recht schnell deutlich: "militant".
Und dann sind natürlich nicht nur die Finanzjonglagen des Bankgesellschaft Berlin an der Misere schuld sondern gleich die WTO und die Weltbank. Sypathisiert wird von Organisiationen wie dem Berliner Sozialforum, dessen Vertreter gleich mal der Ansicht ist, in Deutschland sei genug Geld vorhanden, das müsse man sich nur holen.
Das ganze wird dann noch durchsetzt mit altlinken unpraktikablen Forderungen wie der kompletten Abschaffung alle NCs in ganz Berlin und natürlich der Viertelparität in allen Gremien. Also im klassischen Sinne Machtpolitik.
Spricht sich dann jemand ganz vorsichtig dafür aus, dass man ja über Studiengebühren mal reden könne (schließlich zahlt bereits jetzt jeder Student 200 EUR Semesterbeitrag für den Allgemeinen Studierendenausschuss, das Studentenwerk usw.), dann wird er niedergeschrien und beschimpft. Das hält man also von Diskussionskultur. Und Diskutieren war ja nach der Meinung vieler Redner eine der wichtigsten Maßnahmen, die man ergreifen müsse: Diskutieren. Gute Idee!
All diese Forderungen und Auswüchse machen es mir leider sehr schwer, sich dem eigentlich mehr als gerechtfertigten Protest anzuschließen. Leider!
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Wednesday, November 19. 2003

Eine Liebeserklärung an unsere Hauptstadt
1. Weil nun sogar Bayern hier regieren wollen.
2. Weil der Pommes-Döner nur 1 Euro 99 kostet.
3. Weil es sogar Opel geschafft hat, in der Friedrichstraße ein Restaurant zu eröffnen.
4. Weil Heinrich Lummer wieder studiert.
5. Weil die Buletten so aussehen, als habe sie die Bedienung mit den Achseln geformt.
6. Weil diese Stadt Bar jeder Vernunft ist.
7. Weil die Russen kommen.
8. Weil hier nur Rheinländer Kölsch trinken.
9. Weil die Lokalpolitiker es in keiner anderen Stadt wagen würden, ihre Wähler als "Dreckschweine" zu bezeichnen.
10. Weil die Stadtmagazine aussehen, als wäre es 1982.
11. Weil hier niemand ausrastet, wenn Santana, Enrique Iglesias, No Doubt und Oasis gleichzeitig in der Stadt sind.
12. Weil es Kinos gibt, die Kosmos, Sojus oder Sputnik heißen.
13. Weil der Winter eine Mutprobe ist.
14. Weil nicht jeder, der dich anbellt, ein Hund ist.
15. Weil ein halbwegs frisches Oberhemd ausreicht, wenn auf der offiziellen Einladung "Smoking erbeten" steht.
16. Weil man abends durch die Karl-Marx-Straße in Neukölln fahren kann und einen Mann sieht, der wie selbstverständlich auf den Bürgersteig kotet.
17. Weil das Risiko, dass das Geld für das Stadtschloss zusammenkommt gleich null ist.
18. Weil man in der Paris-Bar in Charlottenburg Zahnärzte mit weich gecremten Gesichtern erleben kann, die um die Aufmerksamkeit von Udo Walz heischen.
19. Weil durch die Schließung von vielen Freibädern dem Fußpilz vorgebeugt wird.
20. Weil es hier die besten Paraden gibt (vergesst Oliver Kahn!)
21. Weil nur hier Pfarrer Peter Hintze aus Bonn so schön über Menschen erschrecken konnte, die in Mülleimern wühlten.
22. Weil die Reisebustouristen aus Schwaben bei ihrer Tour durch den Prenzlauer Berg immer noch fragen,: "Wohnen in diesen Häusern Menschen?"
23. Weil der örtliche Fußballbundesligaclub einen Frauennamen trägt.
24. Weil Strich, Synagoge und SPD-Kampa in einer Straße zu finden sind.
25. Weil der Fluss und die toten Ratten darin vor und zurück fließen (je nach Schleusenöffnung).
26. Weil hier niemand weiß, was eine Sperrstunde ist.
27. Weil Immobilienmakler sagen: "Wir sanieren Ihnen das voll geil hier."
28. Weil man auf dem Rasen vor dem Reichstag bald wieder Fußball spielen kann.
29. Weil man unter dem Reichstag Basketball spielen kann.
30. Weil einen hier der Föhn nicht niederdrückt.
31. Weil der Sandboden mitten in der Stadt nach Ostsee riecht.
32. Weil es mitten in der City Schrebergärten gibt.
33. Weil das unangefochtene Lieblingsgetränk der Berliner "Futschi" heißt und aus Weinbrand und Cola besteht.
34. Weil die Love Parade inzwischen das Publikum hat, das sie auch verdient.
35. Weil die Türken im Tiergarten grillen.
36. Weil Altbundeskanzler Helmut Kohl hier immer mehr zum Paten wird.
37. Weil nur Touristen Berliner Weiße trinken.
38. Weil man nirgends mit so vielen arbeitslosen Journalisten Milchkaffee trinken kann.
39. Weil die arbeitslosen Webdesigner wie Rentner sind und so tun, als hätten sie noch nie so viel zu tun gehabt.
40. Weil die Stadt derart pleite ist, dass überall Gebäude leer stehen, in denen man eine illegale Bar eröffnen kann.
41. Weil es nirgendwo anders so schöne Halbperserinnen gibt.
42. Weil in den Klatschspalten nie die wirklich wichtigen Leute stehen.
43. Weil die Currywurst einen so großartigen Ruf genießt und in Hannover doch viel besser ist.
44. Weil es den Polizisten zu doof ist, Alkoholkontrollen zu machen.
45. Weil in dieser Stadt viele statt gut "juti" sagen.
46. Weil die Landesvertretung von Sachsen- Anhalt die größte von allen werden sollte und deshalb jetzt bei der FDP zur Untermiete wohnt.
47. Weil man den Bild-Kolumnisten Franz-Josef Wagner eigentlich nie trifft.
48. Weil im Osten alle Mädchen Mandy heißen und im Westen alle Jungs Paul.
49. Weil der Filmproduzent Artur Brauner niemals aufhört zu arbeiten.
50. Weil die Taxifahrer sich bei jeder Fahrt um Kopf und Kragen reden.
51. Weil Joop, Jauch und Borer in Potsdam wohnen.
52. Weil vor den Cafés selbst im Winter Stühle vor der Tür stehen.
53. Weil man im Sommer nicht in den Urlaub fahren muss.
54. Weil Ost und West nur hier zusammenkommen.
55. Weil es in Berlin 2500 Demonstrationen im Jahr gibt.
56. Weil noch Einschusslöcher in den Häuserwänden zu sehen sind.
57. Weil man sich als Bundeswehrsoldat immer noch schämen muss.
58. Weil hier drei Obdachlosenzeitungen für wahre Pressevielfalt sorgen.
59. Weil es hier manchmal stürmt wie sonst nur im Mittleren Westen derUSA.
60. Weil die Polizisten bald Namensschilder bekommen.
61. Weil es an manchen Stellen nach DDR riecht.
62. Weil sich die Sänger der Staatsoper Unter den Linden unter Lebensgefahr der maroden Bühnentechnik ausliefern.
63. Weil Künstler, die bluten, auch noch ihr Blut spenden, damit es weitergeht.
64. Weil selbst Laurenz Meyer hier eine junge Freundin findet.
65. Weil der Bundestagspräsident Wolfgang Thierse am Kollwitzplatz auch nur ein Bartträger unter vielen ist.
66. Weil es hier Russen gibt, die in Kellerkneipen Kakerlaken um die Wette rennen lassen.
67. Weil hier nur Touristen in die Kirche gehen.
68. Weil man jederzeit am Zaun des BuKanzleramtes rütteln kann, ohne dass es jemanden interessiert.
69. Weil die meisten Brandenburger so unfreundlich sind, dass man sich die Ausflüge ins nähere Umland sparen kann.
70. Weil die Türsteher wirklich jeden reinlassen.
71. Weil die Semmeln hier Knüppel heißen.
72. Weil die Designermode in den Boutiquen an der Friedrichstraße so lange hängt, bis sie für die Hälfte zu haben ist.
73. Weil der Georg Gafron trotz allem noch Chefredakteur des Springer-Blattes B.Z. ist.
74. Weil dreizehn Jahre nach der Wende noch immer Mauerteile verkauft werden.
75. Weil die Auswahl in den wenigen Feinkostläden der Stadt immer schön groß ist, weil kein Berliner dort kauft.
76. Weil einen die Eltern hier garantiert nur einmal besuchen, Freunde dafür andauernd.
77. Weil man den Spiegel schon am Sonntag kaufen kann.
78. Weil es sehr geheime Restaurants gibt, die jeder kennt.
79. Weil West-Playboy Rolf Eden seine Disco an die Ossis verkaufen muss.
80. Weil das Brandenburger Tor wieder zu ist.
81. Weil kein Mensch hier versteht, wie die Hausnummern vergeben werden.
82. Weil Ariane Sommer aus dem Taxi heraus jungen Autonomen zuwinkt, die sie erkannt haben und ihr den Mittelfinger zeigen.
83. Weil es ein Rudi-Dutschke-Haus und ein Benno- Ohnesorg-Theater gibt.
84. Weil Wasserpumpen an den Straßen stehen, die auch noch funktionieren.
85. Weil man zum Tanken nach Polen fahren kann.
86. Weil hier Hund und Herrchen gleichzeitig "Wa?" sagen.
87. Weil das Finale der Fußballweltmeisterschaft 2006 im Olympiastadion stattfindet.
88. Weil der Fährmann am Liepnitzsee zu seiner Frau nicht sagt: "Beeil' dich", sondern "mach' Ballett, Mutti!"
89. Weil unser Pfitze doch nochmal zurückkommt - und unser Harald vielleicht auch.
90. Weil es einen Verkäufer im Prenzlauer Berg gibt, der Sahne und Käse verkauft, deren Haltbarkeitsdatum längst abgelaufen ist, aber immerhin anbietet, die Sachen gemeinsam zu probieren.
91. Weil in die Schiffe, die hier auf der Spree fahren, Boat-People niemals steigen würden.
92. Weil der Mann, der im Winter beim Aussteigen aus dem Bus auf dem Eis ausrutschte und hinfiel, nicht "Scheiße" oder "Kruzitürken" sagte, sondern: "Wat'n ditte?"
93. Weil es das Berliner Telefonbuch auf Türkisch gibt.
94. Weil Männer hier auf der Straße ihre Jogginghosen mit Würde tragen.
95. Weil es hier zwei Zoos, drei Opern und vier Universitäten gibt und nichts davon jemals geschlossen werden wird.
96. Weil die Stadt so pleite ist, dass das Polizeiorchester jetzt mehr Hits spielen muss.
97. Weil der amerikanische Präsident Georg W. Bush sein eigenes Auto mitbringen muss.
98. Weil der impotente Panda-Bär Bao Bao kein Viagra kriegt.
99. Weil der Radprofi Jan Ullrich hier schon viel eher Pillen bekommen hätte.
100. Weil es eigentlich mehr als 100 Gründe gibt.
Quelle: SZ 20.7.2002
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Wednesday, November 12. 2003
Der Besuch filmwissenschaftlicher Seminare an der Freien Universität Berlin bringt es mit sich, dass man als Student den einen oder anderen Film im Kino anzuschauen hat. Ich ging am Montag Abend um 20:15 Uhr ins Cinéma Paris, um den Film Dogville zu sehen. Der dänische Regisseur Lars von Trier hat damit ein viel beachtetes, außergewöhnliches Werk abgeliefert, das von der Kritik zumindest intensiv besprochen wird.
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Saturday, November 8. 2003
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Wednesday, November 5. 2003
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Tuesday, November 4. 2003
Der Medienökonomie-Professor Axel Zerdick ist gestorben
Der Tod kam genau so, wie er es immer gewünscht hatte: Rasch, auf dem Flughafen. Er stand sozusagen mitten im Leben.
Axel Zerdick war ein ebenso herausragender wie begeisterter und fröhlicher Wissenschaftler. Er betreute, so hört man, mehr Studenten mit Magisterarbeiten und Dissertationen als wohl die meisten anderen und hat vielen jüngeren Forschern selbstlos zu wissenschaftlichen Karrieren verholfen. Zerdick publizierte eine Vielzahl von Büchern, darunter auch eine Reihe von Werken, die, wie die „Internet-Ökonomie“, als Standardwerke in seinem Fach gelten dürfen. Lieber als das Publizieren aber war ihm der direkte Austausch bei Vorträgen. Denn er war einer der wenigen Menschen, die sehr unterhaltsam gegen den Strich denken konnten: Er war in der Lage, ganzen Kongresssälen mit seinen lakonischen und pointierten Hinweisen die herrschende Meinung auszureden. Dies ging so gut, weil er autark war, im besten Sinne des Wortes. Was zählte, war die Stringenz der Idee, die Logik eines Konzeptes. Es ging nie für Axel Zerdick um Macht oder Ruhm. Diese Unabhängigkeit machte ihn frei, auch unpopuläre Positionen zu besetzen, wenn er sie für richtig befand.
Axel Zerdick rang schon lange um Atem und absolvierte dabei ein Pensum, das die meisten Kerngesunden wohl kaum hätten bewältigen können. Doch neben der Arbeit gab es auch Raum für Genuss: Architektur (wie die von Frank Gehry) war für ihn ebenso ein Punkt der Freude wie gutes Essen, anspruchsvolle Unterhaltungstechnik oder die Automobilbaukunst. Axel Zerdick war weltmännisch, bevor dieser Begriff zum Allgemeinplatz wurde: Sein Studium in Kanada in den 60er Jahren, seine zahlreichen Aufenthalte als Gastprofessor, zum Beispiel an der Uni Berkeley in den USA ebenso, wie seine Leidenschaft für Japan. Axel Zerdick hat so nebenbei auch viel für das Bild der deutschen Wissenschaft im Ausland getan. Zerdick war dabei eine außergewöhnliche Erscheinung, sehr groß, sehr breit, zuletzt immer mit einem Borsalino-Hut und lebensfrohem Lächeln.
Axel Zerdick wurde nur 61 Jahre alt. Nicht nur die Medienwelt ist um einen außergewöhnlichen Menschen und viele neue Gedanken der fröhlich-kritischen Art ärmer geworden. Klaus Goldhammer
Der Tagesspiegel, 05. November 2003
http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/05.11.2003/824056.asp
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